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buchstabensuppe
ich erinnere dich
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halbwild verwildert nach
erdbeeren und erde duftend, dein
räuberhaar entzog sich
jeder zärtlichen geste
wir stellten und fielen einander vor
die füße, in die arme, auf den mund,
und wir fielen fielen fielen -
einen augenblick war es
wie fliegen, aber fliegen
geht nicht nur abwärts –
gab es einen höchsten punkt in dieser
fieberkurve, die wir waren?
wir waren treibgut, glücklich
niemals zu stranden,
du warst mutig genug mich zu lieben
und verrückt genug, um von mir geliebt zu werden.
wir nahmen uns diesen riss
in der wirklichkeit heraus,
wir nahmen uns sovieles heraus:
brannten uns durch den alltag,
stiegen durch den bauzaun der realität,
und fanden dahinter brachland, ungezähmt,
und ruinen, zukünftige und die von einst -
dort sagtest du zu mir: „wenn man dich
in whiskey taucht, öffnest du dich
wie eine blume!“ und ich
liebte dein ungekämmtes lächeln.
du hast mich tiefer als berührt, hast mich
fortgetragen und geöffnet
(du schlägst mich auf und liest mich laut
damit auch ich mich verstehen kann)
meine zellen zersprangen und schlugen
wie aber und aber und aber millionen
herzen in mir in mir in mir.
wir zogen uns an und aus -
wie ebbe und flut,
mit dir wollte ich immer nur betrunken sein
nichts schöneres gab es
als das lied unserer schritte nebeneinander –
tagelang waren wir unterwegs auf wegen und
unterwegs unter falschem namen und
freiem himmel, diesem
blaublauen himmel, unter uns,
unter drogen, unter
wegs auf wegen auf denen sonst nur
ein ich -
und jetzt am strand ein
du und ein ich
in der sonne und in der nacht, in
decken gehüllt in strickjacken in
einander
und die nächte mit dir verloren sich
in den umschlägen meiner zerrissenen
jeans oder briefe.
wir streiften noch die grasnarben entlang
auf der suche nach dem wort, dem einen,
dass uns versicherte, nach uns wird nichts mehr kommen
nichts auch nur ähnlich.
wir trauten uns abenteuer zu, fraglos,
wir blieben ungeordnet und in rauschhaft,
wir legten feuer und uns
ab und zu viel zu
selten
nebeneinander
und ich fand später dieses wort, das mir
versicherte: nach dir wird nichts mehr kommen
nichts mehr auch nur ähnlich
nah.
doch in der öffentlichkeit standen wir belanglos herum,
standen um belangloses herum,
unsere gesten siezten sich;
unsere wirre schweigelust
hielt mein subversives herz.
wir waren nicht addierbar, selbst
wenn wir uns zusammen genommen hätten,
dann vielleicht noch weniger. Wir
subtrahieren einander.
wir sind keine zähler, sind beide nenner, unter dem strich
bleibt schon für uns selbst nichts von uns übrig.
wir sind prim-ichs, nur durch uns selbst zu teilen
und wir wollen es beide so:
das natürliche „wir“ bleibt
du und ich.
die formel für unendlichkeit nach cantor
ist n minus eins:
leben für die unendlichkeit bedeutet also
aufhören ehe man fertig ist.
immer einen schritt vor dem ende enden.
sich trennen bevor man sich trennt.
und so werden wir uns verlassen müssen
und nicht aufeinander.
wir begannen als endliche unmöglichkeit zwischen
fallen und fliegen
doch nach cantor, nach n minus eins
sind wir ab jetzt unendlich:
eine unendliche möglichkeit.
Ivette Vivien Kunkel
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