 |
|
|
 |
buchstabensuppe
Unter Ottern 5
 |
 |
Ja, es wird Herbst. Für das kommende Wochenende sind zwar nochmal Sonne und Sonne angesagt, aber so richtig will ich dem nicht, auch in Hinsicht auf meine Erfahrungen mit dem Wetter in den letzten dreieinhalb Monaten, nicht glauben. Was für Niedersachsen angesagt ist, muss für Otterndorf noch lange nicht gelten. Überhaupt: für so ein kleines, ländliches Städtchen war hier über den Sommer, gerade auf im letzten Monat, unerwartet viel los.
Beim Altstadtfest etwa waren sämtliche Straßen tatsächlich gefüllt mit Besuchern, Touristen, Neugierigen; ein Riesenrad ermöglichte die weite Sicht über Land, Stadt und See, Konzerte bis Mitternacht und betrunkene Horden bis drei Uhr früh hielten mich wach. Was für ein Unterschied zur sonstigen Beschaulichkeit!
Das große (größte!) Ereignis des Sommers habe ich leider (leider leider) verpaßt: den Germanischen Fünfkampf. Obwohl mir das Erlebnis nahe gelegt wurde, auch etwa von einem meiner Vorgänger, dem großartigen und sympathischen Autoren Mario Giordano („Black Box“, die Romanvorlage für „Das Experiment“), hielt mich eine ganz andere Erfahrung ab – ich hatte just am gleichen Tag nämlich ein spannendes Videointerview für das Literaturmuseum Nottbeck. Videointerview! Das muss man sich mal vorstellen. Kluge Antworten und gut aussehen gleichzeitig, ich war echt überfordert. Und es ist ja nicht so, dass man sich zu allen Fragen vorher hätte schlaue, witzige und passende Antworten überlegen können – also mußte man auch irgendwie schnell sein und spontan (auch nicht wirklich eine Stärke von mir, wie alle wissen, die mich kennen: deshalb schreibe ich ja auch!). Eine echte Herausforderung, die eben meine ganze Aufmerksamkeit brauchte. Fünfkampf also gestrichen, aber so habe ich einen weiteren guten Grund, im nächsten Jahr mich einfach noch mal einzuschleichen! Und nichts lieber als das. Immerhin werde ich so langsam echt wehmütig, es bricht nämlich der letzte Monat meines Aufenthalts hier an.
Aber eines muss noch erwähnt werden: vom 12. auf den 13. August war die Perseiden-Nacht, in der die Erde einen Meteoritenstrom durchquert und man aberzig Sternschnuppen am Himmel sehen konnte. Diese Nacht habe ich mit meiner besten Freundin draußen auf dem Deich verbracht, unter einem sternklaren Himmel, und wir haben gewünscht und gewünscht, bis wir – wunschlos glücklich – einfach nur noch zuschauen konnten, wie sich der Himmel langsam aufhellte, die Sterne verblassten, bis nur noch die Cassiopeia übrig blieb: ein wunderschöner Anblick. Trotz der vorbeidieselnden Frachtschiffe und hell erleuchteten Personen“dampfer“. Für das nächste Jahr, wolkenlosen Himmel vorausgesetzt, ein heißer Tipp für eine romantische, eindrückliche Nacht!
Eigentlich sieht es so aus, als sollte ich schlicht hierbleiben – einfach nur um alle die Dinge zu sehen, die ich mir – eigentlich – vorgenommen hatte... ich werde das mal beantragen bei der Stadt Otterndorf. Ob es funktioniert hat... oder meinen Abschlußbericht... schreibe ich dann gerne im nächsten Monat.
|
|
 |
 |
 |
|
|