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buchstabensuppe
Miese Muscheln, ein Typ und der Sex
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Endlich, seit langem kriege ich das volle Programm. Ich werde von einem Mann mit dem Auto abgeholt, bekocht, genieße gute Gespräche und die Zigarette danach.
Die Einladung klingt vielversprechend. Martin lädt mich in seine neue Wohnung ein, er will für mich seine berühmten Miesmuscheln kochen. Wir kennen uns nur flüchtig - ich sage zu - denn ich bin gespannt auf ihn und seine angepriesenen Kochkünste.
Martin fährt pünktlich mit seinem Kombi vor. Er öffnet die Beifahrertür und ich denke mir:„Da wo Du bist, ist ganz weit vorne" als er zögert und mich dann doch bittet, hinten einzusteigen.
Ich quetsche mich auf die Rückbank. Er entschuldigt sich nicht für das Sofa im Innenraum seines Wagens. Im Gegenteil: „So, das brauchen wir gleich, sonst können wir es uns nicht im Wohnzimmer gemütlich machen!" Zehn Minuten später trage ich - erkältet und kurzatmig - mit Martin zusammen den Dreisitzer in seine Wohnung. Auf der Schwelle zum Wohnzimmer heißt es dann: absetzen. Ob er meinen kleinen Hustenanfall bemerkt hat? „Hier musst Du die Schuhe jetzt ausziehen, ich will keine Abdrücke auf dem weißen Teppich haben." Nach hektischem Schuhe aus - nochmal anheben, schieben - steht das Sofa am vorgesehen Platz. Er sitzt Probe, ich hechele nach Luft.
Wir gehen in die Küche. Der gemütlichere Teil des Abends beginnt. Ich nippe schon mal am geöffneten Rotwein. Martin bietet mir als Appetizer Harzer Roller an und ich bin jetzt nur noch auf Genuss eingestellt. „Für 99 Cent aus dem Pennymarkt!" kommentiert er den streng riechenden Käse. Er beginnt derweil zu kochen. Ich frage ihn nach dem genauen Muschelrezept. „Also. Man braucht Muscheln, Wasser und eine Packung von dieser Gewürzmischung. Andere nehmen da wohl bei der Menge zwei Tüten davon, aber das ist mir zu teuer - eine Packung kostet ja schon 1,99 Euro! Naja, also zum Schluss kippe ich noch ein Glas von dem vorzüglichen Aldi- Tütenwein oben drauf. Gut, was?!" fragt er. Während mir alle Gesichtszüge entgleiten, rührt er stolz alle Zutaten in einem Topf zusammen. Wohlgemerkt in meinem Topf, den ich auf sein Bitten hin mitgebracht habe, weil er noch keine Kochutensilien da hat.
Wenig später ist endlich das Essen fertig. Wir speisen stehend in der Küche. Noch hat er keine Tische in der Wohnung, das hatte er völlig vergessen. Aufs Sofa geht auch nicht, wegen dem Teppich. Ich nehme ganz schnell noch einen Schluck vom Roten. Die Muscheln sind fade und geschmacklos. Ich schüttele mich und schenke mir nochmal Wein nach. Den aus dem Lidl für 2,99 Euro.
Danach wechseln wir endlich rüber aufs Sofa. Martin löscht das Licht. Er hat sich mal den Verbrauch einer 25-Watt-Birne in der Stunde ausgerechnet - „total teuer." Also schaltet er lieber den Tageslichtspender ein. Den von Tchibo für 39,90 Euro. „Der spart Strom und hilft mir gegen schlechte Laune. Die hab ich in letzter Zeit öfter so als Single ohne regelmäßigen, guten Sex."
Ich drücke meine Brust durch und lehne mich entspannt ins Sofapolster. Dann frage ich, wie Sex für ihn zu sein hat, damit er gut ist. „Also, versaut muss er sein, die Frau rasiert, damit es für mich richtig gut ist. Anal, oral und natürlich muss sie auch schlucken!" Er führt aus, dass intim behaarte Frauen, die nicht schlucken weder für eine einzige heiße Nacht, geschweige denn als feste Partnerinnen für ihn in Frage kommen. Ich überlege kurz, ob ich mir das nächste Glas Rotwein intravenös geben soll (um laute Schluckgeräusche zu vermeiden) stürze es mir dann doch lieber schnell in den Hals. „Ja, und ihr Frauen steht doch auch auf Schlucken. Habe ich im Playboy gelesen!"
Ich erkläre Martin in ruhigem Ton, dass die Frage, ob Schlucken oder nicht sehr weit hinter einer viel wichtigeren Frage steht. Um die Frage seiner Ausstattung. Dass nur Länge und Umfang zählt! Dass wir Frauen, wenn wir über Sex reden - in großen Gruppen um Küchentische geschart - stundenlang Längen und Durchmesser diskutieren. Dass es einfach nicht stimmt, dass Mann da Mängel durch eine gute Technik ausgleichen kann.
Sein Gesicht nimmt die Form eines Fragezeichens an: „Echt?" - „Ja, echt!" Dann stammelt er: „Wie lang?" Ich deute per Fingerzeig beliebige Größe und Umfang an. Niedergeschlagen sagt er: „Scheiße, da fehlt mir ein Stückchen."
Während Martin sich den Lichtspender einschaltet, rauche ich noch eine auf dem Balkon. Ich bestelle mir per Handy ein Taxi, schließlich möchte ich seine Telefonkosten nicht unnötig in die Höhe treiben.
Im Taxi gehen mir seine letzten Worte nochmal durch den Kopf: „Das wäre doch mal ein Experiment wert...also, wenn Du und ich, wenn wir zwei mal Sex machen würden!? Was meinst Du? Rufst Du mich an?"
Klar ruf´ ich an. Schließlich habe ich in der ganzen Eile meinen Topf vergessen.
(Nina Mühlmann, 10.08.2010)
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